{"id":829,"date":"2015-03-23T21:38:42","date_gmt":"2015-03-23T19:38:42","guid":{"rendered":"http:\/\/test.sykalibu.de\/?p=829"},"modified":"2017-10-13T04:22:17","modified_gmt":"2017-10-13T02:22:17","slug":"einchecken-in-bubaque-bijagos-guinea-bissau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/test.sykalibu.de\/?p=829","title":{"rendered":"Einchecken in Bubaque, Bijagos, Guinea Bissau"},"content":{"rendered":"<p>Eines der Traumziele der Reise ist erreicht; der vom Tourismus und anderer Entwicklung bisher verschonte Bijagos Archipel in Guinea Bissau. Eine Landschaft wie in den schwedischen Sch\u00e4ren, aber mit Wattenmeer und Palmen. Man f\u00fchlt sich heimatlich, weil die Landschaft vertraute Elemente aufweist, Horizontalit\u00e4t, Inseln die den Horizont versperren und wieder freigeben. Manche Blicke k\u00f6nnten auch den Stechlin hinunter sein. Kein Wunder das Deutsche Pflanzer sich hier bis 1939 wohlgef\u00fchlt und Palm\u00f6l produziert haben. Dann zettelte Gr\u00f6faz Krieg an und die Herrlichkeit war vorbei.<\/p>\n<p><!--more-->Wir sind vor der gr\u00f6\u00dften Siedlung des Archipels, Bubaque (Bubake) vor Anker gegangen und haben die Ruhe und die Landschaft genossen.<\/p>\n<p>Die Outer Rim war schon drei Tage eher da und hat uns begr\u00fc\u00dft, so waren es wieder 6 Kinder. Wir waren noch nicht einklariert und lagen unter der gelben Flagge bis Montag. Eigentlich konnte keiner an Land, ausser die Kinder, die sich heimlich an Bord des schnellen 20 PS Rib`s der Outer Rim geschlichen hatten und deshalb zu einem Strandausflug kamen. Als Aliens. Dann kam der Montag, der Tag der Wahrheit. Als Segler sieht man den Zustand des Landes in dem man sich befindet an der Prozedur des Einklarierens. Der Skipper muss mit den P\u00e4ssen und den Schiffspapieren der Crew an Land und bei mehreren Beh\u00f6rden vorsprechen. Der Immigration um den Einreisestempel zu bekommen, zum Hafenkaptit\u00e4n, um den Liegeplatz zu kl\u00e4ren und unter Umst\u00e4nden die Erlaubnis zu bekommen die Gew\u00e4sser zu befahren, den Zoll, um sicherzustellen, das das Schiff zollfrei ein- und wieder ausgef\u00fchrt werden kann, und nichts Unerlaubtes an Bord ist; der Gesundheitsinspektor, in Westafrika haben wir keinen getroffen, daf\u00fcr aber den Mann vom Sicherheitsdienst, der als Einziger alles genau untersucht hat. In Bubaque befindet sich das B\u00fcro des Hafenkapit\u00e4ns in einer einst\u00f6ckigen H\u00fctte am Hafen, ein 16qm Raum, der nach seiner Errichtung vor 100 Jahren noch nie einen Pinsel gesehen hat. Kein elektrisches Licht, aber an der Wand ist ein Einbau VHF Funkger\u00e4t genagelt, das wohl ein Yachtie mal verborgt, aber nie wieder zur\u00fcck bekommen hat. Ein wilhelminischer Schreibtisch aus Eiche steht auf dem Lehmboden, dahinter ein wortkarger Hafenkapt\u00e4n in Milit\u00e4rhose und Sweetshirt mit dem Aufdruck eines deutschen Schlachterunternehmens aus dem Rheinland, auf dem Kopf eine Wollm\u00fctze. Vor dem Schreibtisch ein Brett auf zwei Kisten f\u00fcr den Besucher. Auf dem Schreibtisch steht eine Schreibmaschine aus den Siebzigern, elektrisch, die mangels Strom seit den Achtzigern nicht mehr im Betrieb war. Daneben zwei Formularbl\u00f6cke, ein Stempel und ein Plastikbecher der sehr ordentlich mit Stiften gef\u00fcllt ist. Das ganze Ensemble wird aus Ermangelung an Fenstern nur durch die blau gestrichene Wellblecht\u00fcr beleuchtet. Auf dem Brett vor dem Schreibtisch sitzend warte ich auf den Mann von der Immigratio, der vom Hafenkaptit\u00e4n angerufen worde. Warum wir nicht zur Immigration gehen sollen, erkl\u00e4rt sich sp\u00e4ter. \u00a0W\u00e4hrendessen sammeln sich unterschiedlichste Leute vor der T\u00fcr des B\u00fcros an, alle gr\u00fc\u00dfen freundlich, man schl\u00e4gt sich zur Begr\u00fc\u00dfung mit dem Handfl\u00e4chen der rechten Hand gegeneinander, auch ich werde begr\u00fc\u00dft. Die meisten Neuank\u00f6mmlinge haben einen kleinen Schreibblock in den sie hin und wieder kritzeln. Der Mann von der Immigration ist nicht dabei. Irgendwann kommt der Mann von der Immigration, er tr\u00e4gt eine Anglerweste mit vielen Taschen. Mir wird klar gemacht, man m\u00f6chte die Yacht besichtigen. Drei, nein Vier, F\u00fcnf oder Sechs m\u00f6chten an Bord, offensichtlich so viele Kontrolleure wie m\u00f6glich. Ich sage das Dinghy kann aber nur 3 Personen tragen. So fahren wir eben zwei Mal gegen vier Knoten Strom und werden alle nass. Erst als alle F\u00fcnf an Bord sind und den Kaffee, O-Saft und die Cola ausgetrunken haben, wird begonnen. Der Mann vom Sicherheitsdienst geht durch alle Schapps, der Mann vom Zoll schaut zu, der \u00dcbersetzer auch. Der Hafenkapit\u00e4n und der Mann von der Immigration geniessen die Ruhe im Cockpit. Als die Durchsuchung fertig ist und alle wieder zusammen im Cockpit sitzen, kommt der Mann von der Immigration zum Kern der Unternehmung. Er bedankt sich f\u00fcr die freundliche Aufnahme und stellt f\u00e4llig: 5.000 CFA f\u00fcr jeden Beamten der an Bord ist, 1.000 CFA pro Stempel f\u00fcr die Einreise und pro Stempel f\u00fcr die Ausreise, ergo 8.000 CFA, sowie 65.000 CFA f\u00fcr die Erlaubnis sich in den Bijagos aufzuhalten. Zusammen 98.000 CFA, also ca. 150\u20ac. (Zum Vergleich, das Gehalt eines Schuldirektors einer gr\u00f6\u00dferen Schule in Gambia liegt bei 120 \u20ac, unser Budget liegt bei 30\u20ac\/ Tag.) Alles ohne Quittung versteht sich, bezahlt wird nach einer halbst\u00fcndlichen vergeblichen Verhandlung im Dunkeln des B\u00fcros des Hafenkapit\u00e4ns. Da keiner der &#8222;Offiziellen&#8220; sich ausgewiesen oder eine Uniform tr\u00e4gt, kann man sich auch vorstellen vom Hafenkapit\u00e4n eingeladen zu werden, um 5.000 CFA mit zu nehmen,. Ein Brot kostet 100 CFA. Bei der Abfahrt fragt der Mann vom Sicherheitsdienst nach einer Schwimmweste, er k\u00f6nne nicht schwimmen. Birgit gibt ihm eine Feststoffweste, die er anzieht. Sp\u00e4ter wieder an Land tr\u00e4gt er die Westen wie ein Kleid und stolziert herum. Ich bitte ihn die Weste wider ins Dinghy zu legen, er sagt meine Frau h\u00e4tte sie ihm geschenkt. Ich fange an zu diskutieren, bis der \u00dcbersetzer mir sagt ich solle sie ihm lassen, wir w\u00e4ren ja so reich, das es auf die eine Weste nicht ankomme. Die Argumentation das wir die Rettungsweste brauchen, da wir auf dem Boot leben und es in Westafrika keine neue Weste zu kaufen gibt, kommt bei Beiden nicht an. So spenden wir unfreiwillig der Geheimpolizei von Guinea Bissau eine Rettungsweste. Erst dann k\u00f6nnen wir zur Polizeiwache gehen, die im gleichen Zustand ist, wie das B\u00fcro vom Hafenkapit\u00e4n, nur das es durch die vorhandenen Fenster eine lichtere Atmosphere gibt. Hier sind die Schreibtische blank, im Zimmer sind zwei Schreibtische f\u00fcr die Immigration und ein Schreibtisch f\u00fcr die Feuerwehr. Es gibt weder Computer, noch eine Schreibmaschine. Aus der Anglerweste kommen die P\u00e4sse zum Vorschein, allerdings sind zwei davon irgendwie anders, es sind franz\u00f6sische P\u00e4sse. Ein weiterer Versuch bringt dann die Kinderp\u00e4sse zum Vorschein. Der Akt des Stempelns k\u00f6nnte zum Thema eines Dokumentarfilms werden; jeder Pass wird untersucht und gebl\u00e4ttert und nach einer Weile wird ein Ort f\u00fcr den Stempel gew\u00e4hlt. Es ist nicht einfach, es m\u00fcssen ja insgesamt vier Stempel pro Pass erfolgen, zwei f\u00fcr die Einreise und zwei f\u00fcr die Ausreise. Der Beamte entscheidet sich daf\u00fcr erst die Ausreisestempel anzugehen, das Datum liegt 30 Tage in der Zukunft. Dann werden die Einreisestempel abgearbeitet, jeder Stempel muss noch Handschriftlich mit Datum und Unterschrift versehen werden. Ich verabschiede mich vom Chef der Polizei Bubaque auf der Terrasse mit Handschlag, er versichert mir noch, das nach dem letzen Putsch alles ok ist und gehe ohne einen Pfennig in der Tasche zur\u00fcck zum Dinghy. Auf dem Weg versucht mir der \u00dcbersetzer Obama, der eigentlich K\u00fcnstler ist, noch ein Bild oder ein gebatiktes T-Shirt zu verkaufen, aber meine Kauflaune ist im tiefsten Keller versunken. Mir reicht es erst Mal und ich brauche etwas Entspannung zu Hause an Bord von Kalibu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/test.sykalibu.de\/?attachment_id=830\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-830\" src=\"http:\/\/test.sykalibu.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/image1-300x189.jpg\" alt=\"\" width=\"300px\" height=\"189px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eines der Traumziele der Reise ist erreicht; der vom Tourismus und anderer Entwicklung bisher verschonte Bijagos Archipel in Guinea Bissau. Eine Landschaft wie in den schwedischen Sch\u00e4ren, aber mit Wattenmeer und Palmen. Man f\u00fchlt sich heimatlich, weil die Landschaft vertraute Elemente aufweist, Horizontalit\u00e4t, Inseln die den Horizont versperren und wieder freigeben. 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