{"id":4904,"date":"2018-05-06T05:18:24","date_gmt":"2018-05-06T05:18:24","guid":{"rendered":"http:\/\/test.sykalibu.de\/?p=4904"},"modified":"2018-05-06T07:21:15","modified_gmt":"2018-05-06T05:21:15","slug":"der-lange-arm-des-suedmeeres","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/test.sykalibu.de\/?p=4904","title":{"rendered":"Der lange Arm des S\u00fcdmeeres"},"content":{"rendered":"<p>326 nm nach Anatom Vanuatu \/\/\/\/ 06.05.2018 &#8211; 12:30 UTC+11 \/\/\/\/ S 25\u00b018.34&#8242; &#8211; E 171\u00b047.84&#8242;  \/\/\/\/ So-Tag 6 &#8211; Im Laufe der Nacht hat uns der Wind fast g\u00e4nzlich verlassen. 8-11 Knoten wahrer Wind reichen nicht mehr aus um Kalibu unter Segel durch den immer noch gut zwei Meter hohen Schwell voran zu treiben. Es schaukelt f\u00fcrchterlich von einer Seite zur anderen, so dass der Motor zur Unterst\u00fctzung etwas mitlaufen muss. Wir sind umgeben von kleineren und gr\u00f6sseren Regengebieten und warten. Darauf, dass der Wind wieder zunimmt und dass uns der &#8222;customs officer&#8220; von Vanuatu erlaubt auf der ersten Insel anzulanden. \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/  05.05.2018 &#8211; 15:00 UTC+11 \/\/\/\/ S 26\u00b052.97&#8242; &#8211; E 172\u00b012.84&#8242;  \/\/\/\/ Sa-Tag 5 &#8211; Sch\u00f6nes Segelwetter mit konstanter Windst\u00e4rke 5 und &#8222;nur&#8220; noch 3 Meter Welle. An Bord wird wieder gekocht. Eine Dusche tut jetzt gut. \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ 04.05.2018 &#8211; 15:30 UTC+11 \/\/\/\/ S 29\u00b001.05&#8242; &#8211; E 172\u00b048.04&#8242;  \/\/\/\/ Fr-Tag 4 &#8211; Der Wind nimmt langsam ab. Der S\u00fcdpazifikschwell wird l\u00e4nger, bleibt aber nach wie vor deutlich \u00fcber vier Meter. Unser Autopilot arbeitet zuverl\u00e4ssig. Wir sind m\u00fcde und die Kinder \u00fcbernehmen wieder jeweils eine Wache. Vom &#8222;customs officer&#8220; in Vanuatu erhalten wir eine Absage. Leider d\u00fcrfen wir nicht in Anatom, der s\u00fcdlichsten Insel des Archipels einen kurzen Stopp einlegen. Unser Segelfreund Michael, der sich ebenfalls am Dienstag auf den Weg machte, hat eine Erlaubnis erhalten. Wir fragen erneut nach. \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/  03.05.2018 &#8211; 15:30 UTC+11 \/\/\/\/ S 31\u00b002.17&#8242; &#8211; E 173\u00b011.84&#8242;  \/\/\/\/ Do-Tag 3 &#8211; In einem Reiseblog hat ein Segler mal \u00fcber die See im S\u00fcdwest Pazifik angemerkt: vermutlich gibt es bei den Einheimischen mehrere W\u00f6rter f\u00fcr Welle, so wie es bei den Inuit mehrere W\u00f6rter f\u00fcr Schnee gibt. Das denken wir auch. Nichts mit sch\u00f6nem regelm\u00e4ssigem und vor allem langen Pazifikschwell! In diesen Gefielden sind die Wellen eher kurz und hoch, meist konfus, h\u00e4ufig auch aus mehreren Richtungen kommend, manchmal wie \u00fcberdimensionierte Eddies und zu guter letzt noch gepaart mit einen starken nach West setzenden Str\u00f6mung. Das alles konnten wir in den ersten Tagen auf See hautnah erleben. Noch in der Abdeckung von Nord-Neuseeland machte sich eine kabbelige See breit, die, sobald wir die Breite vom Kap Reigna hinter uns liessen, deutlich an H\u00f6he zunahm und durch den Tasmansee-Schwell noch unruhiger wurde. Kalibu wurde ungebremst herumgeworfen. Der Wind frischte kr\u00e4ftig auf und bei Beaufort 7 legte sich dann noch eine unangenehme Windwelle \u00fcber den widerstreitenden Schwell. Kamen mehr als zwei hohe Wellen hintereinander, kam unser Autopilot nicht hinterher mit nachsteuern. So verbrachten wir die Nacht abwechseln von Hand steuernd am Steuerrad. Riesig bauten sich die marmorierten Wellen hinter uns auf, hoben Kalibu rechtzeitig in die H\u00f6he und brachen sch\u00e4umend unter uns. Dabei kam Kalibu regelm\u00e4ssig ins surfen, um von der n\u00e4chsten Welle wieder in die H\u00f6he gehoben zu werden. Wir waren in der unten erw\u00e4hnten SQUASH ZONE angekommen. 4-5 Meter Welle und solide Beaufort 7-8 begleiteten uns die folgenden 24 Stunden. \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ 02.05.2018 &#8211; 15:00 UTC+11 \/\/\/\/ S 33\u00b014.31&#8242; &#8211; E 173\u00b039.19&#8242;  \/\/\/\/ Mi- Tag 2 &#8211; auf dem Weg nach Vanuatu. Seit Tagen bereiteten wir uns auf den Weg nach Norden vor, es sind immerhin etwa 1000 nm bis zu &#8222;den Inseln&#8220; und nach der langen Zeit in Neuseeland musste auf  Kalibu alles m\u00f6gliche wieder sicher verstaut werden, B\u00fccher, Kajaks, Dingi, Gasflasche, Opferanoden, usw., usw.. Hinzu kamen die letzten Lebensmitteleink\u00e4ufe, die sich auf dem Tisch und unter dem Tisch stapelten. Und, um es nochmal richtig spannend zu machen, entdeckten wir kurz vor der geplanten Abreise einen vermeintlichen Haarriss am oberen Terminal der inneren Wante. Nat\u00fcrlich hatten alle Rigger unendlich viel zu tun. Wir sind schliesslich nicht die einzigen, die erst kurz vor der Abreise und nicht direkt nach der letzten langen Passage das Rigg checken. Um wertvolle Zeit zu sparen, kam Thomas auf die Idee die Wante selbst abzubauen. Gesichert von Birgit und Zo\u00eb machte er sich dort oben an die Arbeit, jedoch musste er dieses Unterfangen nach vielen Fl\u00fcchen aufgeben. Die Wante ist mehrfach gesichert, mit Schrauben und Nieten und l\u00e4sst sich nur im Zusammenhang mit der \u00e4usseren demontieren. So schauten wir nochmals sehr genau hin. Es sah nicht nur so aus, sondern f\u00fchlte sich auch so an wie ein Riss und es liess sich mit einem Lappen nicht weg polieren. Mit feinem Schleifpapier aber doch. Siehe da, der vermeintliche Haarriss entpuppte sich als einfacher Kratzer und liess sich recht schnell wegschleifen. Das soll uns eine Lehre sein. Der n\u00e4chste Rigg-check steht fest, n\u00e4mlich bei der Ankunft in Vanuatu. \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ 1. Mai, es kann endlich losgehen. Die GRIB files sehen auch gut aus. Nach einem Tief aus der Tasmansee soll sich eine steife SSO Brise durchsetzen, die anfangs zwar stark, daf\u00fcr aber ausreichend lang sein sollte, um uns in die Passatwindzone zu bef\u00f6rdern. Morgens erledigen wir noch ein paar Kleinigkeiten, die Kinder schreiben einen Mathetest, ich backe zwei grosse Brote, wir springen alle noch einmal unter die Dusche und dann geht es Anker auf. Mit einer leichten S\u00fcdwest-Brise gleiten wir aus der Bay of Islands heraus. Eine Oyster mit super teuren Segeln &#8211; deren Segelsatz kostet vermutlich halb so viel, wie unsere gesamte Kalibu &#8211; \u00fcberholt uns und sendet einen Farewell Gruss. Zwei Albatrosse erinnern uns daran, dass wir nicht allzu weit vom S\u00fcdmeer entfernt sind. \/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/\/ Dass der Einfluss des S\u00fcdmeeres weit reicht, erfahren wir in den kommenden Tagen. Die GRIB files verraten dem Laien schliesslich nie die ganze Wahrheit. Und h\u00e4tten wir folgende Passage aus dem Wetterbericht von &#8222;Weather Bob&#8220; vorher gelesen, w\u00e4ren wir gewarnt gewesen. &#8222;Low is expected to cross northern NZ on Monday and then should move off to the east from Tuesday. There is likely to be a SQUASH ZONE of strong SE winds just NE of NZ on Thursday between the new HIGH and the old Low. This zone at its peak may have swell over 5 metres from the southeast so is worth avoiding.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>326 nm nach Anatom Vanuatu \/\/\/\/ 06.05.2018 &#8211; 12:30 UTC+11 \/\/\/\/ S 25\u00b018.34&#8242; &#8211; E 171\u00b047.84&#8242; \/\/\/\/ So-Tag 6 &#8211; Im Laufe der Nacht hat uns der Wind fast g\u00e4nzlich verlassen. 8-11 Knoten wahrer Wind reichen nicht mehr aus um Kalibu unter Segel durch den immer noch gut zwei Meter hohen Schwell voran zu treiben. 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